Das Spiel mit dem unglücklichen Titel "Galactic Assault: Prisoner of Power" soll die Kriege, die auf das Abschalten der Strahlungsemmiter am Ende des Buches "Die Bewohnte Insel" der Strugatzki-Brüder folgen darstellen. Und ich finde es gelingt durchaus.
Als erstes Sticht einem natürlich die veraltete Grafik in die Augen, aber man gewöhnt sich daran. Dafür war das Spiel ja auch günstig.
Etwas anmaßend finde ich es, dass einem die Story, welche in kurzen Textpassagen vorgelesen wird und ohne jegliche Videos auskommt, so ganz ohne jegliche Rückblende vor den Latz geknallt wird, dass man, wenn man das Buch nicht gelesen hat, sie eigentlich vollkommen vergessen kann, oder besser muss. Für Kenner des Buches ist es wiederum ernüchternd, dass das Spiel offensichtlich nich direkt aus dem Russischen ins Deutsche, sondern vom Russischen über das Englische ins Deutsche übersetzt wurde und dabei einige Ausdrücke unverständlicherweise im Angelsächsischen hängengeblieben sind. So wird der Spitzname "Wanderer" stets Englisch ausgesprochen und aus der Blauen Schlange wurde der "Blue Snake River". Dabei fragt man sich wieso sich andere Namen wie Max oder Fank einer deutschen Aussprache erfreuen.
Das Spielprinzip ist ziemlich simpel, es hadelt sich ja schließlich um ein rundenbasierendes Strategiespiel, da kann man nicht besonders viel falsch machen. Störend ist nur, dass die Fortbewegung der Einheiten sehr unübersichtlich ist und man so versehentlich Figuren ins falsche Hexfeld (deren Umrandung man eben nicht sieht) platziert. Da man keine einzelnen Bewegungen rückgängig machen kann, ist es dann oft nötig den -glücklicherweise automatisch abgespeicherten- Zug neu zu laden. Das Ausheben neuer Kriegsmaschinerie habe ich auch nach der Hälfte des Spieles noch nicht ganz begriffen, zumal es mir oft einfach nicht möglich ist neues zu Bauen obwohl ich über genug Ressource verfüge und die Plätze in den Fabriken frei sind. Vermutlich liegt dies am Missionsdesing, welches einem, ohne darauf hinzuweisen, nur den Bau einer bestimmten Zahl von Einheiten erlaubt, oder auch nur Reperaturen.
Die Einheiten selbst jedoch sind ein Glanzstück des Spieles. Auf eine minimalistische Art sind sie gleichzeitig vielfältig, sehr innovativ und schaffen es die Kulturen des Buches, die ja nur in gewissen Bereichen fortschrittlicher als die Jetztzeit und in Manchem primitiver sind, recht gut wiederzugeben. Irgendwie haben es mir besonders die Transportlastwägen mit ihren sonderbaren Panorama-Führerkanzeln und die leichten Panzer, mit ihrem an Strasenkreuzer erinnernden Desing angetan.
Jede der vielen Boden-, Luft- und Wassereinheiten hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, die man jeoch mühevoll sebst ausloten muss. Ich bin mir noch nicht über alles im klaren, da ich zum Beispiel Kreuzerpanzer nur gegen leicht beschädigte Schwere Panzer als geeignet erkannt habe. Das kann ja wohl nicht ihr eigentlicher Sinn sein.
Jedes Einheit sammelt Erfahrung, die einem auch in den nächsten Missionen zu Gute kommt und sich durch gesteigerte Feuerkraft sowie höhere Moral auswirkt.
Zu den Einheiten kommen noch Moral-Effekte, die sich normalerweise nur darauf belaufen, dass Einheiten, wenn sie eine gewisse Menge an Schaden genommen haben, nicht mehr Angreifen und keine Fähigkeiten mehr einsetzen können. Später im Spiel wird dieser Effekt wichtiger, nämlich sobald die Hypno-Emmitter eigesetzt werden. Wie im Buch verursachen diese uneingeschränkte Loyalität bis in den Tod (kein Verlust von Moral für Freund- und Feindeinheiten) und sobald sie zerstört werden, oder sich Einheiten aus ihrem Einflussbereich bewegen, einen Strahlenkater, der jeden Angriff verhindert. Man kann sie also sowohl als Unterstützung der eigenen Truppen, als auch als Mittel zur Demoralisierung des Feindes einsetzen.
Der Schwierigkeitsgrad ist wieder so eine Sache. Einfach ist definitiv zu einfach, der Gegner ist dann einfach zu sehr in der Unterzahl. Mittel geht bis einige Zeit lang gut, doch schon in Mission 9 wird man merken, dass man sich keine einzige falsche Bewegung leisten kann. Macht man einen Fehler, muss neu gestartet werden. In Mission 9 ist es zum Beispiel nötig drei Basen zu verteidigen, die die Infanterie des Gegners nicht betreten darf. Gleichzeitig muss man einen Kommandotrupp zur Basis des Feindes schicken um sie samt eines Langstreckenbombers einzunehmen. Hat man dies geschafft, müssen die Verteidiger mit Unterstüzung des Bombers ausrücken, um den Feind daran zu Hindern seinen Stützpunkt zurückzuerobern. Dieser Auftrag wird sowiet erklärt.
Durch Versuch und Irrtum erfährt man, dass der Kommandotrupp, welchen man aus der Verteidigungsmacht lösen muss, eine genau bestimmte Gröse haben muss: Groß genug um die Basis des Gegners in einem Angriffszug einnehmen zu können, da er sonst durch den Bomber aufgerieben wird und klein genug um die Verteidigung nicht so weit zu schwächen, dass sie dem Gegner nicht standhalten kann. Dieser ist nämlich schlau genug, dass er, sollte seine Basis eingenommen sein, nicht sofort zurückstürmt, wenn der Widerstand an der Basis des Spielers sehr schwach ist. Der Unterschied zwischen diesen beiden Extremen macht wahrscheinlich genau eine Einheit aus, die ich noch nicht herausgearbeitet habe.
Alles in allem ist es ein forderndes und sehr detailliertes Militärstrategiespiel, mit interessanter Atmosphäre. Es fesselt mich auch noch, wenn ich eine Mission zehn mal spielen muss.
Nachtrag: Mittlerweile weiß ich, dass es sich bei der Baubeschränkung um einen Bug handeln muss. In einer Mission wird man aufgefordert soundsoviele Panzer zu produzieren, kann dies aber nicht erfüllen, da die 500$ die man pro Runde bekommen sollte, einfach nicht auf das Konto eingehen. Ich warte auf den Patch.